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Fortsetzung 5

Mausi kann ruhig noch eine Weile heile Welt spielen, denn äußerlich betrachtet leben wir wirklich in angenehmen Verhältnissen und brauchen uns keine finanzielle Sorgen zu machen. Unsere dreistöckige Villa befindet sich im Kollerdiamantenweg 18 der Stadt R. östlich der Großstadt H. nahe des Waldes und eines Landschaftschutzgebietes, in dem auch das besagte vom Bund Deutscher Hasen oft besuchte Bismarckdenkmal zu finden ist. Hier geht alles seinen geregelten Lauf, von der Schulzeit über das Berufsleben bis zum Alterssitz im Seniorenheim. Von der Wiege bis zum Sarg weiß man schon, was so ungefähr auf einen zukommt, nur uns Mädchen stellt sich natürlich die Frage, ob und wann wir einen Lebenspartner finden und ob wir einmal Kinder haben werden. Ich gehe bereits in die 8 Klasse, komme bald in die 9.te und habe noch nie einen Freund gehabt. Unglaublicherweise hat Groß Susanne schon einen Freund, oder sie behauptete es zumindest. Er heiße Heinz und sei LKW-Fahrer. Sie hätten sich so per Zufall vor der Schule kennen gelernt. Als Groß Susanne mir sagte, dass Heinz 32 Jahre alt sei, war ich wirklich geschockt. Das ist Verführung Minderjähriger! rief ich aus. Dieser Satz zeigte nicht die mindeste Wirkung bei Groß Susanne, die sich gemächlich eine Hand voll Lakritzrauten in den Mund schob. "Ist es nicht.", antwortete sie. "Bitte was macht ihr denn zusammen?" fragte ich aufgeregt. "Ich fahre ein bißchen mit ihm im LKW", gab Groß-Susi von sich. Das war doch die Höhe. Aber nun hatte ich einen Grund, mich mal in einer wichtigen Angelegenheit an Teddy zu wenden. Er war zu Hause und las in einem Schulbuch. "Teddy", unterbrach ich ihn beim Lesen. "Groß Susanne hat sich mit einem LKW-Fahrer befreundet, der viel älter ist als sie. Ich fürchte das Schlimmste." "Hast du die beiden gesehen?" fragte Teddy. "Nein, aber Groß Susanne erzählt davon. Wenn das Mami wüßte!" "Ja es ist besser, ihr redet darüber mit Mutter." Ich stutzte. "Wieso wir? Du mußt es ihr sagen! Auf dich hört sie doch viel mehr als auf uns. Sie muß Groß Susanne verbieten, Umgang mit solchen schrecklichen Typen zu haben." Teddy nickte und dachte eine Weile nach. Seine honiggoldenen Augen schauten ins Leere. Dann seufzte er leicht und wiederholte: "Sprich doch mit Mutter, aber schau vorher, ob du die beiden wirklich zusammen siehst." Ungeduldig zupfte ich an meinem Pullover, wußte aber nicht mehr, was ich sagen sollte. Gesehen hatte ich Heinz noch nicht. Allein dieser vulgäre Name, fürchterlich! Nach zwei Tagen aber sollte ich Zeuge der Freundschaft werden, von der Groß Susanne mir berichtete. Ich kam gerade von der Schule nach Hause. da hielt ein weißer LKW mittlerer Größe vor unserem Haus. Die Fahrertür wurde geöffnet und heraus trat ein langer dünner Mann mit kurzem Haar und einem schildkrötenartigen Kopf. Die hellblauen Augen standen auseinander und traten hervor, der Mund war breit mit leicht hängenden Lippen, die Ohren groß wie bei einer Buddha-Figur. Der schlacksige Typ ging vorne um den LKW herum und öffnete die andere Seitentür. Er nahm etwas heraus und stellte es auf den Boden. Das Etwas war Groß Susanne! Sie ging dem Typen nur bis zum Knie! Entsetzt sah ich, wie die beiden lächelnd ein paar Worte wechselten, der Typ tatschte sie am Kopf, dann stieg er wieder in sein Gefährt und fuhr davon. Als Groß Susanne durch die Pforte auf das Haus zukam, lief ich ihr entgegen. "War das etwa Heinz?" fragte ich schreckerfüllt. "Er war's", sagte meine Schwester und ging ruhig die Treppen hoch. "Groß Susanne, er ist zu alt für dich und sieht total unzuverlässig aus!" flehte ich sie an. "Glaube mir, der hat so eine graue Haut wie ein verkommener Kokser, dem nach und nach die Zähne ausgehen!" Groß Susanne runzelte die Stirn und erwiderte nichts. Schweigend betrat sie das Haus, legte ihre Sachen ab und verschwand im Gäste-WC. Als Schnucki vorüberging, öffnete ich den Mund, um ihm alles zu berichten, aber Schnucki trug die Vereinskasse unter dem Arm und tat eine wichtige Miene, also überlegte ich es mir anders und schwieg. Da kam auch meine Mutter. "Mami, weißt du das schon mit Groß Susanne?" fragte ich. "Was?" "Sie verkehrt mit einem uralten LKW-Fahrer" "Gar nicht wahr!" tönte es aus dem Gäste-WC. "Wer ist uralt?" fragte meine Mutter streng. "Na der Freund von Groß Suanne!" antowortete ich. "Er ist über 30 und verkehrt mit ihr!" "Er ver...was?" rief meine Mutter nun besorgt aus. "Er fährt nur mit mir in seinem Auto!!" rief Groß Susanne wieder hinter der Tür. "NIcht Auto, LKW!" rief ich noch lauter. Groß Susanne kam aus der Tür. Meine Mutter ergriff sie und forderte sie durch Schubsen auf, ihr zu folgen. Die beiden verschwanden durch ein Hinterzimmer. Ich hätte so gerne zugehört, aber nach dem Gespräch, als ich Groß Suanne mit roter geschwollener Nase und tränenblassen Augen wiedersah, stand wohl fest, dass es zukünftig keinen Heinz mehr geben würde. Groß Susanne hat mir meine Besorgnis und die Auskunft an die Mutter zum Glück nie übel genommen. Still saß sie in ihrem Fernsehsessel und aß Chips, trank aus schwarzen Strohhalmen und  guckte sich sehnsüchtig das Magazin "Auto&Motor" an. Einmal fragte ich sie "Vermißt du Heinz?". Da machte sie eine lässige Bewegung mit ihrer Hand und antwortete: "Ich ging ihm ja nur bis zum Knie."     

22.5.07 22:30
 


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